Die Wärmewende scheitert selten an der Technik. Sie scheitert an mangelhaft durchdachten Dialogräumen.

Erkenntnisse aus der strategischen Dialog-Architektur zur kommunalen Wärmeplanung in Oldenburg und Hagen. Für Kommunen, die Beteiligung nicht als Pflichtübung verstehen.

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Stand: Juli 2026 · Melanie Peschel, Tracemaker

Jede zweite Kommune nennt Bürgerbeteiligung und Kommunikation als größte Herausforderung der Wärmeplanung, noch vor der Technik. Das deckt sich mit meiner Erfahrung. In den vergangenen Jahren habe ich die Dialog-Architektur zur kommunalen Wärmeplanung konzipiert und strategisch gesteuert, unter anderem für die Stadt Oldenburg und die Stadt Hagen. Über 700 Menschen, mehr als 130 konkrete Fragen und Antworten, hunderte priorisierte Fragen.

Diese Seite fasst zusammen, was dabei sichtbar wurde, nicht als Checkliste, sondern als Orientierung für alle, die gerade vor derselben Aufgabe stehen.

Melanie Peschel moderiert eine Bürgerdialog-Veranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung in Oldenburg
Foto: Moderation durch Melanie Peschel für die Oldenburger Wärmewende. Foto Copyright Jörg Hemmen / Stadt Oldenburg

Beteiligung ist Pflicht. Wirksamkeit ist Kür.

Das Wärmeplanungsgesetz macht Beteiligung zur Pflicht. Doch das Gesetz sagt nicht, wie. Genau hier entscheidet sich, ob ein Wärmeplan später getragen wird oder auf Widerstand trifft.

Die kommunale Wärmeplanung verläuft in vier Phasen: Bestandsanalyse, Potenzialanalyse, Szenarien der Wärmeversorgung, Umsetzungsfahrplan in Form von Handlungsstrategien und Maßnahmen. Jede Phase braucht ein anderes Beteiligungsziel und andere Formate. Wer erst am Ende informiert, verkündet fertige Pläne und erntet die Reaktion, die fertige Pläne erfahrungsgemäß ernten: Widerstand statt Akzeptanz.

Was Bürgerinnen und Bürger wirklich bewegt

In Hagen konnten alle Gäste beim Einlass mit Klebepunkten priorisieren, welche Fragen ihnen am wichtigsten sind. Das Ergebnis: Über die Hälfte aller Punkte entfiel auf Finanzfragen. Die Wärmewende ist für die Menschen kein Technik-Thema. Sie ist ein Geldbeutel-Thema.

1 · Das Amortisations-Dilemma

Menschen ab einem gewissen Alter zweifeln, ob sich eine Investition von 30.000 Euro für sie noch rechnet, und ob sie überhaupt noch einen Kredit bekommen. Wer diese Gruppe nicht ernst nimmt, verliert nicht nur die treuesten Besucher jeder Bürgerveranstaltung, sondern wichtige Multiplikatoren für die Sache.

2 · Die Vorfinanzierungs-Hürde

Förderung fließt oft erst nach der Umsetzung. Die Lücke dazwischen schreckt ab, auch bei hoher Förderquote. Aber dafür hat die Praxis bereits Lösungen geschaffen – nur nicht über Google & Co. sofort auffindbar.

3 · Der Altbau-Mythos

„Mein Haus ist zu alt für eine Wärmepumpe“ ist die häufigste technische Sorge. Die wirksamste Entkräftung kam nie von Fachvorträgen, sondern von Nachbarn, die den Umstieg im Altbau bereits gewagt haben, oft ohne Fußbodenheizung, mit den bestehenden Heizkörpern.

4 · Der Warte-Effekt

Wo ein Wärmenetz-Anschluss vage in Aussicht steht, passiert: nichts. Eigentümer schieben jede Entscheidung auf. Ohne verbindliche Zeitpläne erzeugt die Wärmeplanung Handlungsstarre statt Aufbruch.

5 · Die unsichtbare Kostenfalle beim Gas

Der größte Aha-Effekt in Oldenburg: die Erkenntnis, dass die Netzentgelte für die letzten Gaskunden steigen, weil sich die Fixkosten auf immer weniger Anschlüsse verteilen. Dieses Argument bewegt mehr als jeder CO₂-Preis-Hinweis.

Formate, die sich bewährt haben

Klassische Informationsveranstaltungen greifen bei einem existenziellen Thema wie dem Heizungstausch zu kurz. Was stattdessen trägt:

Peer-to-Peer statt Frontalvortrag. Das größte Vertrauen stifteten nicht Fachleute, sondern Bürgerinnen und Bürger, die den Umstieg bereits geschafft haben. In der von uns entwickelten Architektur bekommen sie das erste Wort auf der Bühne.

Marktplatz statt Podium. Individuelle Sanierungssorgen gehören nicht ins Plenum, dort kapern sie den Abend. Sie gehören an Stehtische: Stadt, Innung, Versorger, Verbraucherzentrale, je ein Gesicht, je ein Gespräch.

Die Lebendige Fragen-Wand. Klebepunkte beim Einlass machen sichtbar, was die stille Mehrheit bewegt, nicht nur, was die lautesten Stimmen fordern.

Neutrale Instanzen einbinden. Verbraucherzentrale, Handwerks-Innung, Schornsteinfeger. Wer fürchtet, verkauft zu werden, hört nicht zu. Neutralität ist keine Nettigkeit, sondern Voraussetzung.

Themen trennen. Gasnetz-Zukunft und Wärmepumpe gehören nicht in dieselbe Veranstaltung. Sonst dominieren zehn Prozent Betroffene den Abend für alle.

Lebendige Fragen-Wand: Bürgerin priorisiert mit Klebepunkten ihre wichtigsten Fragen zur Wärmeplanung
Die Lebendige Fragen-Wand im Einsatz: Klebepunkte machen sichtbar, was die stille Mehrheit bewegt.

Aus der Praxis: Oldenburg und Hagen

Oldenburger Wärmedialog (2025/2026). Sieben Veranstaltungen, über 700 Teilnehmende, mehr als 130 konkrete Fragen und Antworten. Die Ergebnisse flossen in die Maßnahmen des Wärmeplans ein, von Nachbarschaftshilfe bis zur Schließung der WEG-Beratungslücke. Die vollständige Fallstudie: 700 Menschen, ein Wärmeplan, ein Ratsbeschluss.

7Dialog-Veranstaltungen konzipiert & moderiert
700+Teilnehmende im Dialogprozess
130+konkrete Fragen und Antworten, dokumentiert & ausgewertet
3neue Maßnahmen im Ratsbeschluss verankert

Oldenburger Wärmedialog: Tracemaker und die coool.agency verantworteten:

  • die strategische Dialog-Architektur und das Beteiligungskonzept über den gesamten Prozess,
  • die Formatkonzepte aller sieben Veranstaltungen — vom Plenums-Dialog über den Marktplatz der Möglichkeiten bis zur Lebendigen Fragen-Wand,
  • die unabhängige Moderation sämtlicher Dialogveranstaltungen,
  • die Auswertung und den Beteiligungsbericht mit den politischen Handlungsempfehlungen, die der Rat beschlossen hat.
Gesprächsrunde beim Oldenburger Wärmedialog: Best-Practice-Geber und Fachleute im Paneltalk, Moderation Melanie Peschel
Paneltalk mit Best-Practice-Gebern, Oldenburg. Foto: Jörg Hemmen / Stadt Oldenburg
Melanie Peschel moderiert vor vollem Saal eine Dialogveranstaltung zum Oldenburger Wärmeplan
Volles Haus im Stadtteil-Dialog, Oldenburg. Foto: Jörg Hemmen / Stadt Oldenburg
Melanie Peschel eröffnet den Bürgerdialog zur kommunalen Wärmeplanung im Ratssaal der Stadt Hagen
Bürgerdialog im Ratssaal, Hagen. Fotocredits: Franziska Michels / Stadt Hagen

Bürgerdialog Hagen (2026). Marktplatz der Möglichkeiten mit regionalen Fachpartnern, Lebendige Fragen-Wand, Gamification-Elemente. Wie das Format aufgebaut war: Fallbeispiel Hagen, gemeinsam mit der sbc soptim business consult GmbH .

„Melanie Peschel hat mit ihrer Erfahrung sowohl im Bereich Beteiligung als auch in der Kommunalen Wärmeplanung unseren Dialogprozess zum Oldenburger Wärmeplan mit konzipiert. Sie hat eine absolut wertvolle zielgerichtete und niedrigschwellige Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger erarbeitet. Ihre professionelle Moderation hat entscheidend zum Erfolg der Dialogveranstaltungen beigetragen. Und das alles in den vereinbarten Zeitfenstern, super zuverlässig und immer freundlich. Jederzeit wieder, liebe Melanie! Es war eine Freude.“
Peter Zenner, Leiter des Fachdienstes Klimaschutz, Stadt Oldenburg
„Besonders schätze ich ihre fachliche Klarheit, ihre durchdachten Impulse zur Gestaltung der Veranstaltungen sowie ihre Fähigkeit, auch in herausfordernden Momenten ruhig und souverän zu bleiben. Selbst bei kritischen oder emotional aufgeladenen Beiträgen aus dem Publikum blieb sie stets souverän, ruhig und jederzeit professionell.“
Manuel Thom, Kommunalmanagement, e-regio GmbH & Co KG

Wie ich arbeite und was ich bewusst nicht anbiete

Ich bin als Gesicht von Tracemaker nicht als Agentur tätig. Der Kern liegt in der strategischen Beratung für Ihre Dialogarchitektur: Stakeholder-Analyse, Beteiligungskonzept, Formatdesign, unabhängige Moderation, Sparring für Ihre Projektleitung. Vom ersten Stakeholder-Mapping bis zur Frage, wie Bürger-Anliegen tatsächlich in Ihren Wärmeplan einfließen.

Tracemaker liefert die strategische und konzeptionelle Architektur. Unsere für die Prozess-Organisation und Klimaschutz-Kommunikation spezialisierten Partner wie die sbc soptim business consult GmbH und Coool Agency GmbH runden unsere Dienstleistungen für Kommunen ab, zusammen sind wir ein eingespieltes Konsortium. Unser Tracemaker-Beitrag ist das Fundament, auf dem Umsetzung wirkt.

Für Kommunen in NRW

Logo Kommunale Wärmeplanung NRW

Sind Sie im Klimaschutz-Referat oder Umweltamt einer Kommune in Nordrhein-Westfalen tätig? Dann möchte ich Ihnen gern diese hilfreiche Seite empfehlen: Wärmeplanung.NRW. Ein Beratungsangebot von GWI Essen e.V., sbc soptim business consult GmbH und Tracemaker Strategie- und Kommunikationsberatung: für Kommunen und Stadtwerke in Nordrhein-Westfalen.

Häufige Fragen zur Beteiligung in der Wärmeplanung

Ist Bürgerbeteiligung bei der kommunalen Wärmeplanung Pflicht?

Ja. § 2 Wärmeplanungsgesetz (WPG) verpflichtet Kommunen zur Beteiligung. Das Gesetz lässt jedoch offen, in welcher Tiefe und mit welchen Formaten – hier liegt der Gestaltungsspielraum.

Wann sollte die Beteiligung beginnen?

So früh wie möglich. Jede der vier KWP-Phasen (Bestandsanalyse, Potenzialanalyse, Strategieentwicklung, Umsetzungsfahrplan) braucht ein eigenes Beteiligungsziel. Wer erst zum fertigen Plan einlädt, informiert – er beteiligt nicht.

Welche Formate funktionieren in der Praxis?

Bewährt haben sich Marktplatz-Formate mit Themenständen, Peer-to-Peer-Gespräche mit Bürgern, die bereits umgestiegen sind, und datenbasierte Priorisierung über eine Fragen-Wand. Reine Podiumsdiskussionen ermüden und eskalieren leichter.

Warum eine externe, unabhängige Moderation?

Weil die Stadt bei ihrem eigenen Plan Partei ist. Eine unabhängige Moderation kann kritische Beiträge zulassen, kanalisieren und den Abend steuern, ohne in Verteidigungshaltung zu geraten.

Wie erreichen wir die stille Mehrheit – nicht nur die lauten Stimmen?

Durch Formate, die anonymes Priorisieren erlauben (Klebepunkte, Fragen-Wand), getrennte Räume für individuelle Sorgen (Marktplatz) und themenspezifische Einladungen statt Sammelveranstaltungen.

Sie recherchieren gerade, wer Ihre Kommune unterstützen kann?

Viele Gespräche beginnen genau so: mit einer Marktrecherche vor der Ausschreibung. Melden Sie sich gern auch vor der Vergabe für Ihre Markterkundung. Ich sage Ihnen offen, was aus meiner Sicht in Ihre Leistungsbeschreibung gehört und was nicht.

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Melanie Peschel, Gründerin von Tracemaker

Melanie Peschel ist Gründerin von Tracemaker und begleitet seit 2015 Kommunen, kommunale Energieversorger und Unternehmen als strategische Beraterin für Beteiligung und Dialog in der Energiewende. Mehr über meine Arbeit →

Stand: Juli 2026 · Diese Seite wird fortlaufend um Erkenntnisse aus aktuellen Dialogprozessen ergänzt.