23. Juni 2026

Wenn du 2086 morgens eine Runde spazieren gehst

Eine literarische Schatzsuche – für die Kommunikatoren der VNB und ÜNB


Es ist Juni 2086, du wohnst irgendwo in Deutschland, vielleicht in Nordrhein-Westfalen. Möglicherweise in Hilden, wo ich heute bin. Eine Kleinstadt, 55.000 Einwohner heute, in 2086, wer weiß? Vermutlich eher mehr als weniger, mit Blick auf die Urbanisierungs-Bewegungen. Aus dem Ruhrgebiet und Rheinland wurde bis dahin - möglicherweise - ein Mega-Moloch, mit schönen und weniger schönen Ecken. Heute ist eine der schönen Ecken Urdenbach, am Rhein bei Düsseldorf. Nur 10 Minuten von Hilden entfernt.

Vielleicht gehst du dort im Juni 2086 morgens spazieren, so wie ich heute. Genießt die Temperaturen, bevor die Sommerhitze zuschlägt, zumindest eine Stunde die Beine vertreten mit Grün um dich herum. 

Du heißt Olli, bis geboren 2015. Bist jetzt also 71 Jahre alt, gehst nächstes Jahr in Rente. Bald kommt die Zeit, um das Rentenleben zu genießen. Wie Erna aus Erkrath, die kenne ich über Verwandte. Die ist heute übrigens schon 95 Jahre alt und geht freitags noch zum Mädelstreff mit Sekt und Spaß bei Plaudereien. Bis letztes Jahr hatte sie noch den Führerschein, bevor sie ihn freiwillig abgab. Erna wurde 1930 geboren, lange her. 

Wer weiß, vielleicht bist du auch so eine Erna, die 2086 dann zum Sektfrühstück geht, mit den anderen “Mädels”. Ich würde es dir wünschen. Ob Olli oder Erna - es sei doch jedem vergönnt, im hohen Alter nochmal die Sause zu machen. Wenn nicht jetzt, wann dann? 


Storytelling für mehr Gehör

Meine Geschichte schreibe ich im Moment nicht weiter, aber möchte über eine andere Story berichten, geschrieben von einem Weltstar des Literaturbetriebs. »Was wir wissen können« ist sowohl ein Unterhaltungsroman, als auch gleichzeitig ein Appell, wie wir unsere gesellschaftliche Debatte dieser Tage anpassen sollten. Der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor Ian McEwan, 77 Jahre, veröffentlichte »Was wir wissen können«, original im Englischen »What We Can Know«, im Jahr 2025. Es ist nicht sein erster Roman, bei dem er das Thema Klimaschutz in den Mittelpunkt rückt, dieses Mal aber verdeckt unter dem Mantel einer Schatzjagd. Darüber sprach er unter anderem auf dem großen Bücherfestival im Mai 2026 in Hay-on-Wye, der weltweit größten Bücherstadt. Dieser legendäre Ort befindet sich in Wales, wo mich just zu dieser Zeit eine Recherche-Reise hinführte.

Der vermeintliche Schatz im Buch: Der verlorengegangene Sonettenkranz des Francis Blundy. Diese Figur im Roman ist ein alternder Schriftsteller, er veröffentlichte anlässlich des Geburtstags seiner Ehefrau Vivien einen Sonettenkranz. Der fand großen Anklang, exklusiv vorgetragen von Blundy selbst in der geschlossenen, kleinen Gesellschaft, zu der Vivien und ihr Mann im Herbst 2014 in ihre stylishe Scheune einluden. 

Von den ersten Seiten an glauben wir, als Leserinnen und Leser, zu wissen: Genau darum geht es – die Suche nach dem verlorenen Sonettenkranz. Der Suchende ist der Ich-Erzähler, ein – gefühlt – junger Literaturprofessor namens Metcalfe an der Universität in England, dem England des Jahres 2119. Vielleicht ist sein Geburtsjahr um 2080 oder 2090 herum, die Details erreichen uns beim Lesen nur bruchstückhaft. Er könnte der Ur-Enkel meiner Olli sein, die 2015 geboren wurde. So wie Erna die Ur-Oma von Olli sein könnte, rein rechnerisch. 

Zurück zur Weltliteratur: Als Leser wundern wir uns, warum die weltbekannte Bibliothek »Bodleian« nicht in Oxford, England, ist, sondern auf Snowdonia, dem höchsten Gebirge in Wales.


Eine leise Dystopie und die Flucht in die Vergangenheit

Nach einer Weile erahnen wir es: Das England der Zukunft und auch der Rest der Welt sieht nicht mehr so aus, wie wir die Welt heute kennen. Eine große Flut Mitte des 21. Jahrhunderts hat nicht nur Landstriche verändert, sondern die komplette Geographie auf den Kopf gestellt. Großbritannien ist zum Archipel geworden, die Stadt Marlborough - heute im Landesinneren von England - beispielsweise heißt Port Marlborough. Die Flut entstand übrigens durch eine zur Explosion gebrachte Atomwaffe im Atlantik, zurückzuführen auf Fehlentscheidungen einer KI, entstanden in Zeiten geopolitischer Spannungen, die sich da aufgrund nervöser Einzelner in den politischen Top-Ämtern dieser Welt entluden.

Nur noch wenige Gebiete sind bewohnt, in der Welt seit Mitte des 21. Jahrhunderts, so wurde aus Laos Neu-Laos, das Zentrum der digitalen Infrastruktur für den Erdball. In den Norden Großbritanniens kann man gar nicht mehr reisen, da keine Infrastruktur vorhanden ist, aber auch das Risiko durch Piratenangriffe dies unmöglich erscheinen lässt. Insgesamt ist alles geprägt von einer immens reduzierten Anzahl an Menschen, die in dieser Zeit leben. Olli hätte übrigens statistisch gesehen eine nur geringe Überlebenswahrscheinlichkeit gehabt. Nicht wegen der Flutwelle hier in Deutschland, aber wegen der ausgebrochenen Ressourcenkriege. 

Aber keine Sorge, dieses Szenario der Zukunft ist gar nicht im Mittelpunkt der Story, sondern stellt eine Selbstverständlichkeit dar, irgendwann wird wieder alles gut. Der Ich-Erzähler ist damit aufgewachsen, kennt die Vergangenheit nur aus Büchern, in digitalisierter wie auch gedruckter Form. Er glorifiziert insbesondere die Zeit von 1990 bis 2030, die magischen Jahrzehnte, setzt sogar einen eigenen Universitäts-Kurs über die Literatur dieser Zeit gegenüber der Fakultäts-Leitung durch. Aber der floppt, Studierende wollen sich mit ihrer Gegenwart beschäftigen, nicht mit den dummen Menschen der Vergangenheit, die es nicht besser wussten. Wir also als die vermeintlich “Dummen”.

Der Erzähler, der engagierte junge Literaturprofessor, stellt in den Mittelpunkt seines Tuns die Suche nach dem Sonettenkranz, auch ohne seine Studenten. Er wälzt Fachliteratur, sichtet Archive in der Bibliothek, reist dafür den beschwerlichen Weg nach Snowdonia hin und zurück, auf Fähren, mit dem Fahrrad, zu Fuß. Mehrere Tage braucht er, von der Region um Port Marlborough, wo er wohnt dorthin, heute übrigens in wenigen Stunden zu absolvieren. Er forscht gemeinsam mit seiner Studentin, später Freundin und dann Ehefrau, nach besagtem Sonettenkranz. Irgendwann gibt er ihrem Druck nach, den Schreibtisch zu verlassen – Online-Recherchen sind nur noch rar und selten möglich – und reist mit ihr in den Norden. 

Dabei wird dieser Handlungsstrang vielfach unterbrochen durch Rückblenden. Wir springen in die Köpfe von Vivien Blundy, die in den 1990er-Jahren noch mit ihrem Ehemann Percy verheiratet war, der allerdings an Alzheimer erkrankte und dann durch Francis ersetzt wurde, den sie gezielt als ihren neuen Ehemann ausgewählt hatte. 

So verbringen wir als Leserin oder Leser sehr viel Zeit im Jahr 2014, in welchem die Geburtstagsparty stattfindet und wir tief eintauchen in die Debatten dieser Zeit, welche sowohl in privaten Kreisen als auch medial geführt werden. Auch die Sprünge in die Zeit Ende der 90er Jahre und 2000er Jahre geben uns Einblicke und Erinnerungen, die uns allen sehr nah scheinen. Schließlich haben wir als Leserinnen und Leser diese Zeiten ebenso durchlebt, hier in Westeuropa, wie die Figuren aus dem Roman.

Aber auch die Zukunft, in der unser Literaturprofessor forscht, erscheint uns nicht allzu fremd. Sie wirkt friedlich, ruhig, fast wie aus einem entspannten Familienroman aus der Zeit um 1900 herum. Nur manchmal stellen wir fest, wenn wir Sätze zweimal lesen, dass es sich um eine Dystopie handelt, die aber nicht als solche gekennzeichnet wird. Das wird uns überlassen zu erkennen, was wir als Gesellschaft alles verloren haben in dieser möglichen Zukunft. Aber eigentlich ist das auch egal, weil es uns dann ja nicht mehr gibt. 

Nur noch einen Bruchteil der Schmetterlingsvielfalt gibt es, ebenso nur einen Bruchteil der Fischvielfalt im Meer. Vögel? Nur wenige zu hören. Die ganze Biodiversität: Reduziert auf ein Minimum. Ein vollkommen anderes Ökosystem wie heute. Weniger erquicklich für das Auge? Definitiv. Aber die großen Folgen, die stehen nur in den Nebensätzen. Die geringe Auswahl an nahrhaftem Essen. Die Völlerei aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts, also der Zeit von Francis und Vivien Blundy, unserer Zeit - wie im Paradies. Gemüsesorten vom Markt oder Discounter, von denen in dieser Zukunft nie jemand gehört hat, geschweige denn sich vorstellen kann. Obst in üppiger Auswahl.


Leben im Kapitol - Unser unbemerktes Paradies

Wer die »Tribute von Panem« kennt: Wir leben heute das Leben der Leute im Kapitol, die der Völlerei und Unterhaltung durch Zwietracht frönen. Und das mit einer Selbstverständlichkeit. Aber: Wir merken es nicht, dass wir im Paradies leben, ebensowenig Blundy und seine Geburtstagsgesellschaft. Sie schweben in anderen Sphären, jeder in der eigenen, tun so, als würden sie einander zuhören oder sich verstehen, aber jeder versucht nur, seine eigene Bühne zu bekommen, ohne Erfolg. Das Publikum ist blind, alles ist aufs eigene Ego zentriert. Was dazwischen geschieht, geht verloren. 

Umso erstaunlicher ist es, dass auch wir als Leser uns verführen lassen: Von Seite Eins an wollen wir wissen, ›wie ist er nun verfasst, dieser Sonettenkranz, was steht darin?‹ Kleine Auszüge daraus werden vorgelesen, aber das Gesamtwerk verpassen wir, auch am Schluss bei der Auflösung. Denn erst am Ende von Teil 1 verstehen wir: Das Gedicht ist verbrannt, ins Feuer geworfen von Vivien als Beschenkte. Die, die Panik hatte, dass ihre Mitwisserschaft in einem etwaigen Mord an ihren ersten Ehemann durch das Gedicht aufgedeckt würde. 

Teil 2 erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Vivien, hier erfahren wir: Es ist doch eine Menge anders, als der Literaturprofessor bislang herausgefunden hatte und uns wissen ließ, und zudem nicht mehr herausfinden konnte. Dabei wird uns klar: Es ist alles eine Frage der Perspektive. Die reine Wahrheit gibt es nicht. Eine Erkenntnis, die wir uns als debattierende Gesellschaft des Kipppunkt-Jahrzehnts der 2020er zu eigen machen sollten. 


Die neue Erzählung eines lebenswerten Morgen

In Sachen Klimawandelkommunikation, so zwischen den Zeilen von McEwans Roman, braucht es eine neue Geschichte, eine, die Interpretationen zulässt. Die sich als Schatzsuche tarnt, und den Menschen eine Hoffnung gibt. Eine Erde mit höherer Durchschnittstemperatur ist sehr wahrscheinlich. Manche der Folgen sind heute schon erlebbar, mit “bemerkenswertem” Ausmaß in allen Ecken der Erde, auch Europa, der sich als Kontinent am schnellsten erwärmt, wie Wissenschaftler herausgefunden haben. 

Aber jenseits dieser Erkenntnisse wollen wir alle doch wissen: Wie wird unser Leben genau sein, für unsere Eltern, Geschwister, Kinder, Enkel, Freunde, für einen selbst, auf diesem wärmer gewordenen Planeten? Wirklich alles Untergang? Oder gibt es Zwischentöne, Chancen auf ein gutes Leben, auch in 2030, 2040, 2050 - oder sogar 2086, in 60 Jahren also? 

Es leben bereits über sieben Millionen Menschen - angehende Teenager und Kinder - unter uns, hier in Deutschland, die in 2086 mit einem Drink in der Hand den Sonnenuntergang genießen wollen, oder zum Sonnenaufgang eine Runde Yoga machen möchten, vielleicht der ein oder andere sogar in Urdenbach bei Düsseldorf. 

Das Morgen wird sich an seinen eigenen, neuen Standards messen.
VollEinspeiseREADY 2026 Präsentationstitelfolie

Die Lösung für Übertragungsnetzbetreiber

“VollEinspeiseREADY”

Gemeinsam mit Kooperationspartner Michael Krieger von dialoge.digital hat Melanie Peschel von Tracemaker ein Programm entwickelt, das genau hier - in Sachen Stakeholderbeteiligung und Storytelling - ansetzt.

Gemeinsam sichern wir die Handlungsfähigkeit von ÜNB-Teams vor Ort, wo AgNes erlebbar wird. AgNes? Ein Fachbegriff - nebensächlich. Was zählt, ist das Tun.

Unser Anspruch ist hoch: Wir wollen die Energiewende-Erzählung mit dem notwendigen Netzausbau in „Netflix-Qualität“ liefern und damit ÜNB- und VNB-Teams endlich den Rahmen geben, den ihre Kommunikationsarbeit verdient: Ohne Werbung, gestochen scharf in 4K- bzw. >220 kV-Qualität, leicht konsumierbar und mit einem roten Faden, dem man auch als Bürgermeister oder Gemeinderätin einer Kommune im Sauerland, Erzgebirge, Schwarzwald oder in der Lüneburger Heide gern folgt.


Startschuss für Übertragungsnetzbetreiber noch in 2026

Michael Krieger und Melanie Peschel stehen mit unserem Transformations-Programm für ÜNB und VNB #VollEinspeiseREADY jetzt für Sie in den Startlöchern bereit.

Vorschlag: Spielen Sie doch mal bei Ihrer nächsten Tasse Kaffee oder Tee diesen Gedanken durch:

Was wäre, wenn Ihr zukünftiges Playbook den Netzausbau in attraktiver Netflix-Qualität liefert?

Erste Antworten dazu gibt es in unserer VollEinspeiseREADY-Präsentation - laden Sie das PDF gern herunter als Grundlage für Ihr aktuelles Projekt oder unser nächstes Gespräch. Sie erreichen mich unter Melanie.Peschel@tracemaker.de oder Michael Krieger unter mk@dialoge.digital.

Eine KI-generierte Grafik mit einer Hochspannungsleitung in der Landschaft bei Sonnenuntergang, einem Traktor und einer Frau mit einem Hund als Spaziergängerin

FAQ über Stakeholder-Dialoge im Kontext Energie, Klima, Nachhaltigkeit

Warum sind Stakeholder-Dialoge so wichtig?

Weil Transformation ohne Beteiligung zum Papiertiger wird. Gerade im Klima- und Energiebereich betreffen Entscheidungen viele Menschen direkt - von Kommunalpolitik bis Bürgerinitiative, von Energiekonzern bis NGO. Stakeholder-Dialoge schaffen Verständnis, Vertrauen und Akzeptanz. Sie sind der Schlüssel, um aus Pflicht Kommunikation und aus Kommunikation Veränderung zu machen. Kurz: Wer Stakeholder übersieht, verpasst die Chance auf echten Fortschritt.

Welche Methoden eignen sich besonders gut für Stakeholder-Dialoge im Energiebereich?

Neben klassischen Formaten wie Workshops und Bürgerveranstaltungen sind heute interaktive Formate gefragt: Barcamps, Open Space, Gamification-Elemente wie das Spiel „Keep Cool“ oder das „Klimapuzzle“. Auch Storytelling-Ansätze - etwa bei Science Slams oder in Podiumsgesprächen – wirken Wunder, um komplexe Themen verständlich und emotional anschlussfähig zu machen. Wichtig ist: Das Format muss zur Zielgruppe passen – und Spaß darf’s auch machen.

Was sind häufige Fehler bei Stakeholder-Dialogen und wie vermeidet man sie?

Top-Fehlerliste gefällig? Unklare Kommunikation, zu spätes Einbinden, fehlende Relevanz für die Teilnehmenden und, Klassiker, schlecht vorbereitete Moderation. Unser Tipp: Strategische Planung mit Stakeholder-Mapping, gutem Erwartungsmanagement und der richtigen Portion Empathie. Und ja, auch mal üben, mit Gegenwind umzugehen. Beteiligung ist kein Selbstläufer - aber mit Vorbereitung läuft sie besser.

Dialog-Briefing: Architektur der Transformation.


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