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Ich bin ready für Neues und habe alte Zöpfe abgeschnitten

Text: Melanie Peschel, August 2022

 

In 2009 war ich die Twitter-Heldin. Damals habe ich als Strategische Planerin bei einer Werbeagentur angefangen, die sich v.a. auf den B-to-B-Sektor fokussierte und für Kunden die neuen Möglichkeiten des Web 2.0 erschließen wollte. Mein Job war es, die Potenziale von Facebook und Twitter zu identifizieren und für die Unternehmen, unsere damaligen Agentur-Kunden, aufzubereiten. 

Das war eine Zeit, in der es unterschiedliche Weisheiten zu Twitter gab

  • Cat Content wirkt. (Bis heute.)
  • Fotos vom zubereiteten Mittag- oder Abendessen ziehen. (Ebenfalls bis heute – nur mit mehr Vegan-Anteilen.)
  • Twitter wird v.a. von Journalisten genutzt. (Heute auch noch, aber namentlich benennbare Personen stehen neben Bots und Aliasen, die verbal nicht mehr zuträglich sind.)
  • Bei Facebook braucht man als Unternehmen eine Seite, man darf sich nicht als Person anmelden. (Und die Facebook-AGB, dass man den Klarnamen verwenden muss, interessiert bis heute niemanden – am wenigsten den Konzern Meta.)
  • Man kann mit schön aufbereiteten Bildern (damals nur Facebook) gute Reaktionen erzielen.
  • Bei Twitter zählts, in 140 Zeichen das Wichtigste zu sagen. (Es gab damals keine Threads, keine 280 Zeichen pro Tweet wie heute, keine Link-Shortener, keine Möglichkeit, Bilder geschweige denn Videos zu twittern. Es war nur Text.)

Diese Basics haben sich mit den Jahren um Pro-Wissen zur Nutzung der Kanäle erweitert. Irgendwann kam der Punkt, wo sich die Wege trennten – einen Weg davon bin ich nicht gegangen: 

Kein Vertrieb via Facebook und Twitter

Es haben sich die Facebook-Profis herauskristallisiert, die mit der Werbeplattform in den Vertrieb gegangen sind. Facebook wurde in den 2010ern für viele Small Businesses und zuweilen auch wachsende und inzwischen sehr große Unternehmen zum Abverkaufskanal. Das ist nie “meine Welt” geworden. Stattdessen bin ich beim Thema Content-Creation geblieben. 

Sowohl auf Facebook, als auch auf Twitter. Aber die Zeiten dieser beiden Social Kanäle, als ich sie mit Passion genutzt habe, sind vorbei. Facebook habe ich schon vor einigen Jahren den Rücken gekehrt – es hat sich einfach ausgeleiert. Für mich persönlich. Ich hatte nicht mehr den Eindruck, durch guten Content interessante Resonanz zu erzielen – inzwischen haben andere Mechanismen gegriffen, die nicht meiner persönlichen Affinität entsprechen. 

Twitter - die Tristesse

Die Argumente pro Facebook haben sich in meiner Wahrnehmung reduziert auf die Nutzung für lokale Player –  und das kann auch gut Laufen wie bei meinen Freunden von der Ettenheimer BürgerEnergieGenossenschaft. Und hier aber auch nur mit intensiver Nutzung der Werbeplattform und Streuung der bezahlten Posts im 50-Kilometer-Umkreis. 

Das Desinteresse ist nun auch für Twitter eingetreten. Noch ein paar Jahre länger als bei Facebook konnte ich für mich persönlich den Eindruck aufrecht erhalten, dass ich aus Tweets Dritter – ob Personen oder Institutionen – Mehrwerte erfahre. Aber inzwischen sind diese Tweets so arg in einer Bubble eingepfercht, die summa summarum Stress bedeutet. Emotionalen Stress, weil es so viele Aufreger sind (nein, nicht die tanzende finnische Ministerpräsidentin, sondern aus dem Energie-Kontext). 

Aber auch Stress, der sich in Bezug auf Zeitspannen ergibt: aus “mal kurz Twitter checken” wird schnell eine Dreiviertelstunde. Zeit, die im Ergebnis nicht glücklicher macht, nicht entspannter, nichts bewegt – vertane Zeit. Das ist mein persönliches Empfinden und wird wohl unterschiedlichst wahrgenommen. Für andere mag Twitter nach wie vor Quell der Bereicherung sein – Glückwunsch: Eure Timelines sind auf die eigenen Bedürfnisse besser zugeschnitten. 

Kritisches Denken im vernünftigen Austausch

Die Erkenntnis ist für mich mitunter “mutig”, weil ich mit Twitter und Facebook einige meiner Beratungs-Jobs verbunden habe, über viele Jahre. Zum Beispiel den Kanal @EnergiewendeBW – bis heute. Bis dato gibt es Jobs, bei denen die Aufgabe darin besteht, Tweets zu verfassen, um Kunden-Content über Twitter zu verbreiten. Hier empfinde ich es als Glück, dass Trolle und Bots diese Accounts noch nicht belagern: Das Content-Management ist hier ein Spaziergang. Schon verrückt: Da freut man sich, wenn man keinen Dialog mit Trollen und Bots führen muss…

Möge es so bleiben. Was mich beruflich nicht mehr reizt, sind neue Social Media Jobs: Würde Account Management in einem der großen sozialen Netzwerke Facebook, Twitter, Insta oder TikTok, ausgeschrieben werden – ich würde mich nicht mehr bewerben wollen. Und bewundere zugleich die Personen, die Accounts wie vom BMWK, politischen Parteien oder auch der Deutschen Bahn oder Telekom betreuen: Leute – ihr habt eine dicke Haut wie es scheint.

Gute Diskussions-Kultur als roter Faden

Ich bewege mich dagegen gern in der wachsenden E-World-Community, eine Plattform, die mir mehr konstruktiven Austausch und neue Inspiration verspricht. Ebenso Nährboden für Gedankenaustausch sind die Diskussions-Foren von Perspective Daily und ab und zu Lage der Nation. Da zählen nicht die Bilder und Symbolismen, sondern die Inhalte. 

An meine lieben Team-Kolleg*innen auf Kundenseite: Ich werfe nicht das Handtuch bei laufenden Jobs, versprochen. Aber stattdessen bringe ich neue kreative Ideen ein, um Inhalte zu transportieren und zum Gegenstand des Dialogs zu machen. Ohne Twitter, ohne Facebook, ohne Insta. So manch anderer Kanal (LinkedIn, aber nicht nur – es gibt noch mehr) hat noch einige Jahre Potenzial, bevor dort ähnliche Effekte auftreten und dann wieder Neues im Raum steht. Und nicht nur Kanäle sind Orte des Geschehens – wichtig im Kopf zu behalten. Lasst uns das Beste rausholen. Digital asynchron und auch in Live-Begegnungen – mit guter Diskussions-Kultur als roten Faden. Einer zuträglichen Energiezukunft zuliebe. Ich bin ready für Neues!

Buchtipp: ...Mit dem Denken von morgen die Probleme von heute lösen

Eine Lektüren, die mich zu diesem Zöpfe-Abschneiden bewegt hat, war das Buch „Raus aus der ewigen Dauerkrise: Mit dem Denken von morgen die Probleme von heute lösen“ von Maren Urner. Ich empfehle es gern hiermit weiter.

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